Ein Handelsunternehmen ist selten ein Unternehmen
Die J. Bünting Beteiligungs AG mit Sitz in Leer in Ostfriesland führt ihre Geschichte auf das Jahr 1806 zurück. Unter dem Dach der Gruppe liegen unter anderem die Lebensmittelmärkte famila und Combi, das Teehandelshaus J. Bünting, der Lebensmittel-Onlinehandel myTime.de und die Kooperation Markant Nordwest mit selbstständigen Einzelhändlern. Jede dieser Einheiten hat eigene Kunden, eigene Sortimente und eigene Sprache. Die Konzernwebsite muss das zusammenführen, ohne es einzuebnen — Unternehmensprofil, Gesellschaften, Presse, Karriere und Kontakt an einer Stelle, aber erkennbar getrennt.
Technisch ist das kein Designproblem, sondern ein Strukturproblem. Ein Gesellschaftsprofil, eine Pressemitteilung, ein Ansprechpartner, eine Stellenanzeige: Jedes dieser Objekte existiert im Idealfall genau einmal und erscheint über Konfiguration an mehreren Stellen — in der Konzernübersicht, in der Rubrik der jeweiligen Gesellschaft, in der Presseliste, in der Suche, in der internen Verlinkung. Wer stattdessen Seiten kopiert, hat beim ersten Wechsel in einer Geschäftsführung fünf Fundstellen zu pflegen und findet vier davon nicht mehr. Die Redaktion bleibt dabei verteilt, das ist im Handel normal; nur der Objektbestand darf es nicht sein.
Deshalb lautet die erste Frage in einem Handelsprojekt nicht, wie es aussehen soll, sondern welche Objekte es gibt und wer sie pflegt. Standort, Gesellschaft, Marke, Person, Meldung, Stelle — daraus entsteht das Datenmodell im Redaktionssystem, und daraus ergibt sich, welche Rechte welche Redaktion braucht. Bei Bünting läuft der Auftritt in TYPO3, und TYPO3 ist genau darauf ausgelegt: mehrere Auftritte und Sprachen in einer Instanz, Rechte entlang der Organisation, strukturierte Felder statt eines großen Textkastens. Unser Auftrag dort war allerdings der barrierefreie Umbau im laufenden System, nicht der Neubau der Struktur — das sagen wir dazu, weil es sonst nach mehr klingt, als es war. Eine Mehrstandort-Struktur dieser Art haben wir außerhalb der Lebensmittelbranche gebaut: Für das Autohaus Brüggemann führt ein TYPO3-Auftritt sechs Standorte und acht Vertragsmarken zusammen, jeder Standort mit eigenen Ansprechpartnern, Öffnungszeiten und Serviceinhalten, während die redaktionellen Bausteine nur einmal existieren und die Rechtestruktur abbildet, wer welchen Bereich bearbeiten darf. Die Systemargumente stehen auf unserer Seite zu Unternehmenswebsites. Hier zählt nur die Reihenfolge: Struktur vor Layout.
Standorte, Öffnungszeiten und der 24. Dezember
Handel bedeutet Filialen, und Filialen bedeuten Öffnungszeiten. Das klingt nach einer Kleinigkeit, bis die Ausnahmen kommen: Am 24. Dezember begrenzt das Landesrecht die Öffnungszeit, und zwar je Bundesland unterschiedlich. Der Reformationstag ist in Niedersachsen und Bremen gesetzlicher Feiertag, in Nordrhein-Westfalen nicht — eine Gruppe mit Märkten in beiden Ländern pflegt für denselben Tag zwei Wahrheiten. Dazu kommen Inventurschluss an einem Werktag, ein Brückentag mit verkürzter Besetzung und die Bäckerei im Vorkassenbereich mit eigenem Rhythmus. Liegen diese Angaben in Freitextfeldern, sind sie im dritten Jahr falsch. Liegen sie strukturiert vor — Regelzeiten plus datierte Ausnahmen —, kann eine Filialleitung sie selbst pflegen, und die Ausgabe stimmt an allen Stellen gleichzeitig.
Am Standort hängt mehr als die Uhrzeit: Adresse, Anfahrt, Services, Ansprechpartner, offene Stellen. Die Karriererubrik ist in einer Handelsgruppe mit vielen Filialen kein Anhang, sondern ein eigener Einstieg, weil Bewerber standortnah suchen und eine Liste ohne Standortbezug für sie unbrauchbar ist. Eine Stellenanzeige, die weiß, zu welchem Standort sie gehört, erscheint auf der Standortseite, in der Gesamtübersicht und im Bewerbungsformular, ohne dreimal erfasst zu werden. Wie stark diese Rubrik tatsächlich genutzt wird, sagt die Auswertung Ihres Auftritts — wir behaupten das nicht als Branchenregel.
Für Suchmaschinen und KI-Assistenten ergibt sich derselbe Vorteil aus anderer Richtung. Wo Standort, Öffnungszeit und Angebot als Daten vorliegen, lassen sie sich strukturiert auszeichnen und werden zitierfähig. Wo sie in einem Absatz stehen, muss ein Modell interpretieren. Diesen Teil rechnen wir nicht getrennt ab, weil er anfällt, wenn die Struktur ohnehin gebaut wird. Was darüber hinausgeht — Crawler-Zugriff, Textstruktur, llms.txt, systematische Auszeichnung über den ganzen Seitenbestand —, ist ein eigenes Vorhaben mit eigenem Aufwand und steht auf unserer Seite zu Answer Engine Optimization.
Barrierefreiheit ist hier eine Reichweitenfrage
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt seit dem 28. Juni 2025 für Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr, die sich an Verbraucher richten — also dort, wo online ein Vertrag zustande kommt. Eine reine Konzern-Informationswebsite fällt nicht zwingend darunter, ein reiner B2B-Shop grundsätzlich nicht, und für Dienstleistungen greift zusätzlich eine Ausnahme für Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme. Bünting hat den Auftritt trotzdem auf dieses Niveau gehoben. Das war eine Entscheidung, keine Pflicht, und wir sagen es so, weil die Gegenrichtung — Sie müssen — im Handel schnell unglaubwürdig wird. Wer eine Verpflichtung behauptet, die es nicht gibt, verspielt das Argument, das trägt.
Maßstab ist die europäische Norm EN 301 549; sie beschreibt den anerkannten Stand der Technik, rechtlich verbindlich sind BFSG und BFSGV. Die derzeit im EU-Amtsblatt zitierte Fassung verweist für Webinhalte auf die WCAG in Version 2.1, Konformitätsstufe AA — dagegen wurde bei Bünting gearbeitet und geprüft. In neuen Prüfungen legen wir bereits WCAG 2.2 AA an, weil die zusätzlichen Kriterien überschaubar sind und eine zweite Runde ersparen. Die Arbeit fand im laufenden TYPO3-System statt, ohne Relaunch, im Fluid-Template und im CSS statt per Overlay-Skript: Sprungmarken zu Navigation und Inhalt als erste fokussierbare Elemente im Quelltext, Landmarken für Kopf, Navigation und Hauptbereich, beschriftete Formular- und Suchfelder, Alternativtexte, eine Überschriftenhierarchie, die der Struktur folgt und nicht dem Layout. Kontrast- und Textgrößenschalter liegen als eigene TYPO3-Extension vor und bleiben auf jeder Seite erreichbar. Geprüft wurde in drei Durchgängen: automatisiert, manuell mit Tastatur und Screenreader, und mit Blick auf den Redaktionsalltag.
Der letzte Durchgang ist im Handel der entscheidende. Barrierefreie Templates helfen wenig, wenn beim nächsten Wochenangebot Überschriftenebenen übersprungen werden oder Alternativtexte leer bleiben. Weil die Korrekturen im Template sitzen und nicht in einzelnen Seiten, erben neue Inhalte den Stand. Und in einer Handelsgruppe liegen die Fälle nebeneinander: der informierende Konzernauftritt, der B2C-Shop, in dem eine Privatperson kauft, und der geschlossene B2B-Bereich, der nach der Abgrenzung oben nicht erfasst ist. Die Pflicht hängt am einzelnen Angebot, nicht am Konzern; die verbindliche Bewertung gehört zur Rechtsberatung. Was für die Reichweite spricht, gilt unabhängig davon — Lebensmittelhandel bedient praktisch jede Altersgruppe, und Kontrast, Textgröße und Tastaturbedienung helfen mehr Menschen als die, an die der Gesetzgeber zuerst gedacht hat. Details zum Prüfverfahren stehen auf unserer Seite zur Barrierefreiheit.
Saison ist planbar — genau das ist der Punkt
Für Diderk Heinje Pflanzenhandel verantworten wir Registrierung, Katalog und Schnittstellen eines geschlossenen Shopware-Shops im B2B. Baumschulware ist kein statisches Sortiment: Verfügbarkeiten hängen an Saison, Rodung und Witterung, und dieselbe Pflanze existiert in mehreren Qualitäten und Sortierungen — Höhe, Stammumfang, Container oder Ballen. Ein Katalog, der das nicht abbildet, produziert bei jeder zweiten Bestellung eine Rückfrage. Über 5.000 Pflanzenartikel und Sortierungen liegen im Katalog, strukturiert nach botanischer Systematik, und die Suche findet botanische wie deutsche Bezeichnungen, damit eine Bestellung nicht an einer Schreibweise scheitert.
Bestände und Preise kommen nicht aus dem Shop, sondern aus dem führenden System. Die Abgleiche laufen als geplante Jobs, täglich, weil sich der Bestand innerhalb einer Saison deutlich verschiebt — nicht als Liste im Mailanhang, die jemand am Freitag einpflegt. Das ist der Unterschied zwischen einem Shop, der die Realität im Betrieb abbildet, und einem Shop, der sie mit einigen Tagen Verzug behauptet.
Für den Betrieb folgt daraus eine schlichte Regel: Änderungen gehören zwischen die Zeitfenster. Sortimentsimporte, Shopware-Updates, Umbauten an der Suche — alles davon ist im Sommer unauffällig und in der Pflanzsaison teuer. Wir planen Projekte in dieser Branche deshalb um den Saisonkalender herum und testen Lastspitzen, bevor sie kommen. Wo wir den Betrieb übernehmen, läuft er auf eigenen Servern in Deutschland; für die Zeit, in der es zählt, gibt es die Support-Staffel BASIC bis PREMIUM mit 24, 8, 4 oder 2 Stunden Reaktionszeit, abgerechnet als Monatspauschale netto je Projekt. Ohne Vereinbarung bearbeiten wir in Eingangsreihenfolge innerhalb von 48 Stunden zu den Geschäftszeiten Mo bis Fr, 9:00 bis 16:00 Uhr.
Im B2B-Pflanzenhandel entscheidet das Zeitfenster
Gehandelt wird mit Baumschulen, GaLaBau-Betrieben, Kommunen und Wiederverkäufern. Wer dort einkauft, vergleicht nicht in erster Linie Preise, sondern Termine. Der Pflanztermin steht, die Baustelle ist disponiert, die Kolonne kommt am Dienstag. Ein Artikel, der in vier Wochen lieferbar ist, existiert für diese Baustelle nicht. Das verschiebt die Anforderungen an einen Shop: Nicht der Filter über den Preis ist die wichtige Funktion, sondern die verlässliche Aussage, was in welcher Sortierung jetzt verfügbar ist.
Daraus folgt auch, wie der Zugang gebaut ist. Der Shop liegt vollständig hinter einer geprüften Registrierung; erst nach Freigabe werden Sortiment und Preise sichtbar, Kundengruppen steuern die Konditionen. Registrierung, Freigabe und Preisfindung liegen im selben System — das ist der Grund, warum der geschlossene Zugang im Alltag beherrschbar bleibt und nicht in einer Nebenliste gepflegt werden muss.
Der dritte Punkt ist der, an dem sich Branchenkenntnis am deutlichsten zeigt: Eine Bestellung muss kommissionierfähig hereinkommen. Art, Sortierung, Qualität, Menge — vollständig, in der Systematik des Betriebs, nicht in der Formulierung des Einkäufers. Wo das gelingt, nimmt es die Klärungsschleifen zwischen Vertrieb und Betrieb aus dem Tagesgeschäft. Wo es nicht gelingt, telefoniert jemand jeden Vormittag Bestellungen nach, und der Shop hat nichts gespart, sondern nur den Kanal gewechselt.