Was ohne Sicherheitsupdates passiert
Eine TYPO3-Instanz ohne Sicherheitsupdates ist nicht unauffällig, sondern dokumentiert verwundbar. Am 09.06.2026 veröffentlichte das TYPO3 Security Team 14 Core-Advisories auf einmal — TYPO3-CORE-SA-2026-006 bis -019, darunter Broken Access Control, Cross-Site Scripting, Open Redirect, unsichere Deserialisierung und SQL-Injection. Die Korrekturen erschienen als 10.4.57 ELTS, 11.5.51 ELTS, 12.4.46 ELTS, 13.4.31 LTS und 14.3.3 LTS. Wer v10, v11 oder v12 ohne bezahlten ELTS-Vertrag betreibt, hat genau diese Lücken bis heute offen. Der Fehler ist öffentlich beschrieben, der Patch existiert. Er liegt hinter einer Rechnung. Nachlesbar ist das in den Security Advisories auf typo3.org.
Ein Beispiel zum Zitieren in der Entscheidungsvorlage: TYPO3-CORE-SA-2026-008, CVE-2026-47346, Schweregrad High, veröffentlicht am 09.06.2026. Backend-Nutzer mit Schreibrechten auf Dateien konnten Formulardefinitionen mit gemischter Groß- und Kleinschreibung im Dateinamen hochladen, damit die Upload-Beschränkung des Form Frameworks umgehen und über präparierte Definitionen beliebige SQL-Statements ausführen — bis hin zum Anlegen eigener Administratorkonten. Betroffen waren 10.0.0 bis 10.4.56, 11.0.0 bis 11.5.50, 12.0.0 bis 12.4.45, 13.0.0 bis 13.4.30 und 14.0.0 bis 14.3.2. Fünf Monate früher, am 13.01.2026, erlaubte TYPO3-CORE-SA-2026-003 (CVE-2025-59022) Backend-Redakteuren mit Recycler-Zugriff das Löschen beliebiger Datensätze aus jeder TCA-Tabelle — auch aus denen, an denen sie keine Rechte hatten.
Veraltete TYPO3-Installationen werden in der Praxis angegriffen, und ein Treffer bleibt oft lange unbemerkt. Im März 2014 meldete heise online hunderte kompromittierte TYPO3-Websites, viele davon in Deutschland, auf der damaligen LTS 4.5.x: PHP-Dateien im Konfigurationsverzeichnis, eine main.php im Webroot, eine manipulierte .htaccess, die Casino-Spam nur an Besucher aus Suchmaschinen auslieferte. Direktaufrufe zeigten eine Fehlerseite. Die Betreiber merkten nichts. Ob eine TYPO3-Lücke der Einstieg war, wurde nie geklärt: Die TYPO3 Association widersprach damals, und auch Websites ohne TYPO3 waren betroffen. Genau das ist der Punkt. Auf einem ungepflegten System lässt sich hinterher nicht mehr rekonstruieren, was passiert ist. Dazu kommt die zweite Ebene: Wer TYPO3 v8, v9 oder v10 betreibt, läuft zwingend auf PHP 7.4 oder älter. PHP 7.4 ist seit dem 28.11.2022 End-of-Life. Die Lücke besteht dann in der Anwendung und in der Laufzeitumgebung gleichzeitig.
Support-Enddaten und ELTS: die Zahlen
TYPO3 v14 LTS erschien am 21.04.2026 und erhält kostenlosen Support bis 30.06.2029, ELTS bis 30.06.2032. TYPO3 v13 LTS: kostenlos bis 31.12.2027, ELTS bis 31.12.2030. v12: kostenloser Support endete am 30.04.2026, ELTS bis 30.04.2030, das vierte Jahr davon nur über TYPO3-Partner. v11: kostenlos beendet am 31.10.2024, ELTS regulär bis 31.10.2027, das vierte Jahr bis 31.10.2028 nur über TYPO3-Partner. v10: kostenlos beendet am 30.04.2023, ELTS regulär bis 30.04.2026 — das vierte Jahr bis 30.04.2027 ist ausschließlich über TYPO3-Partner buchbar. Wer heute auf v10 läuft, bekommt ELTS also nur noch auf diesem Weg. v9.5: ELTS am 30.09.2025 ausgelaufen. v8.7: ELTS am 31.03.2024 ausgelaufen. Für v9 und älter gibt es keine Sicherheitsupdates mehr, auch nicht gegen Bezahlung.
ELTS (Extended Long Term Support) ist der kostenpflichtige Sicherheits-Support der TYPO3 GmbH für Versionen, deren kostenloser Support ausgelaufen ist. Eine Einzellizenz („Single Plan") für TYPO3 v12 kostet seit April 2026 3.200 Euro pro Jahr vor Rabatten, für v11 und v10 liegt der Listenpreis bei 2.800 Euro. Eine Lizenz deckt eine Instanz ab: eine TYPO3-Installation samt Live-, Failover-, Staging- und Entwicklungsumgebungen, auch wenn darauf mehrere Websites laufen. Mehrere unabhängige Installationen brauchen mehrere Lizenzen. Mitglieder der TYPO3 Association bekommen 25 Prozent (Silver), 30 Prozent (Gold) oder 45 Prozent (Platinum) Nachlass. Drei Punkte gehören dazu: ELTS liefert nur Sicherheits- und Kompatibilitätspatches, keine Features. Das jeweils vierte ELTS-Jahr — bei v12 bis 30.04.2030, bei v11 bis 31.10.2028, bei v10 bis 30.04.2027 — ist ausschließlich über TYPO3 Solution und Technology Partner erhältlich. Und die passende PHP-Version läuft parallel aus: TYPO3 v12 ist für PHP 8.1 bis 8.4 freigegeben. PHP 8.1 bekommt seit dem 31.12.2025 keine Sicherheitsupdates mehr, PHP 8.2 nur noch bis 31.12.2026 — die Laufzeitumgebung muss also getrennt nachgezogen werden. Ein ELTS-Vertrag für TYPO3 deckt die Laufzeitumgebung nicht ab.
Ob ELTS oder Upgrade günstiger ist, entscheidet die Laufzeit. Drei Jahre v12-ELTS summieren sich auf 9.600 Euro Lizenzkosten vor Rabatt, ohne dass danach ein einziger Breaking Change erledigt wäre. Am 30.04.2029 stehen Sie an derselben Stelle, nur mit drei weiteren Jahren technischer Distanz zur Zielversion. Sinnvoll ist ELTS trotzdem: als Überbrückung, wenn ein Relaunch bereits terminiert ist, wenn ein Zertifizierungs- oder Ausschreibungszeitraum läuft, oder wenn im laufenden Haushaltsjahr schlicht kein Projektbudget mehr da ist. Als Dauerlösung ist es teuer. Den Beschaffungsweg klären wir vorher: Bei TYPO3 v10 und v11 führt er über einen TYPO3-Partner. Enddaten und Preise dieses Abschnitts stammen von get.typo3.org und typo3.com/elts, abgerufen am 16.08.2026.
Was in v14 technisch bricht
Der Punkt, an dem in TYPO3 v14 die meisten Bestandssysteme brechen, heißt list_type. Das Datenbankfeld tt_content.list_type und das Inhaltselement tt_content.list wurden ersatzlos entfernt (Breaking #105377). Die klassische Plugin-Registrierung über CType=list funktioniert damit nicht mehr: ExtensionUtility::configurePlugin() registriert Plugins jetzt als eigenen CType; der Parameter für den Plugin-Subtype ist wirkungslos geworden und kann entfallen — jeder andere Wert als CType führt zu einer Exception. Bei ExtensionManagementUtility::addPlugin() sind die Argumente $type und $extensionKey ersatzlos gestrichen. Jede betroffene Extension braucht zusätzlich einen eigenen Upgrade-Wizard, der von AbstractListTypeToCTypeUpdate erbt und alte list_type-Werte auf neue CType-Werte abbildet. Extensions ohne diesen Wizard hinterlassen nach dem Upgrade Inhaltselemente, die niemand mehr rendert.
Neben list_type brechen in TYPO3 v14 die Änderungen an der Rendering-Schicht, die jedes individuelle Template betreffen. Der TypoScriptFrontendController ist entfernt (#107831), ebenso die TypoScript-Bedingung getTSFE() (#107473). Fluid 5.0 bringt strict types in ViewHelpern und geändertes CDATA-Verhalten (#108148). Die TYPO3-eigenen Fluid-Views TYPO3\CMS\Fluid\View\StandaloneView, \TemplateView und \AbstractTemplateView sind entfernt; Views entstehen jetzt über ViewFactoryInterface::create(). Dazu die Extbase-Klasse HashService und Methoden wie GeneralUtility::hmac() oder ExtensionManagementUtility::addPageTSConfig(). Callables in TypoScript und TSconfig brauchen ein Opt-in per Attribut #[AsAllowedCallable] (#108054). Asset-Concatenation im Frontend (#108055) und HTTP-Response-Kompression (#107943) sind entfallen; beides gehört jetzt in Build-Prozess und Webserver.
Ein guter Teil der Breaking Changes in TYPO3 v14 lässt sich automatisiert migrieren, aber nicht alles. Für die v14-Migration wurden im TYPO3-Community-Budget 45 neue Rector-Regeln und 11 neue Fractor-Regeln finanziert: Rector migriert PHP-Code, Fractor die übrigen Dateien — TypoScript, FlexForms, YAML, Fluid-Templates. Der Extension Scanner im Install Tool findet Aufrufe entfernter API im eigenen Code. Handarbeit bleibt überall dort, wo eine Fremd-Extension kein v14-Release hat, wo Geschäftslogik in Templates steht und wo Bibliotheken über Composer-Constraints kollidieren. Ein sauber implementierter Unsinn ist immer noch Unsinn, auch nach dem Rector-Lauf.
Upgrade, Zwischenziel v13 oder Neubau
Ob ein bestehendes TYPO3-System auf v14 aktualisiert, zunächst nur auf v13 gehoben oder mit Datenübernahme neu gebaut wird, entscheiden vier Schwellen — nicht das Gefühl. Erstens die Ausgangsversion: Von TYPO3 v12 oder v13 aus ist v14 ein normales Upgrade-Projekt. Von v11 aus sind es zwei Sprünge über eine Zwischenstufe. TYPO3 entfernt Upgrade-Wizards zwei Major-Versionen nach ihrer Einführung aus dem Core; für Daten aus v10 und älter fehlen sie in v14 deshalb, und müssen über eine Zwischenversion oder eine Community-Extension nachgeholt werden. Zweitens die Zahl der Eigenentwicklungen. Drittens der Anteil der Plugins, die über list_type registriert sind. Viertens der Zustand des Frontends: Wenn das Design ohnehin ersetzt wird, entfällt der Grund, das alte Template zu retten.
Ein Upgrade von TYPO3 v8 oder v9 auf v14 ist technisch ein Neuaufbau mit Datenübernahme, kein Versionssprung. Zwischen v9.5 und v14 liegen fünf Major-Versionen, der Wechsel von PHP 7.2 auf PHP 8.2 und mit Composer ein anderes Betriebsmodell. Der neue Code entsteht ohnehin; übernommen werden Inhalte, Seitenstruktur, Dateien und URLs. Wenn dann noch dazukommt, dass die Seitenstruktur über Jahre gewachsen ist und niemand mehr erklären kann, warum es drei Newsbereiche gibt, ist der Neubau die günstigere Antwort. In der Schätzung stehen beide Wege mit beiden Zahlen nebeneinander, auch wenn das Upgrade der kleinere Auftrag ist.
Zielversion ist im Regelfall TYPO3 v14, Zwischenziel v13 nur mit Grund. v13 bekommt bis 31.12.2027 kostenlosen Support, v14 bis 30.06.2029 — wer 2026 auf v13 geht, plant das nächste Upgrade damit schon für 2027 ein. Für v13 spricht genau ein Argument: Dort gilt der list_type-Zwang noch nicht. Wenn eine geschäftskritische Fremd-Extension kein v14-Release hat und kein Ersatz in Sicht ist, ist v13 die belastbare Zwischenstufe. Sonst kostet der Umweg zweimal Testaufwand für dasselbe Ergebnis.
Was sich für Redaktion und Betrieb ändert
Das Backend von TYPO3 v14 ist neu gestaltet: überarbeitetes Design, vereinfachte Navigation, umbenannte Module. Die Redaktion merkt davon mehr als von allem anderen im Projekt. Die Redaktion merkt davon mehr als von allem anderen im Projekt. Inhaltselemente werden im Context-Panel bearbeitet, ohne dass die Seite vollständig neu lädt. Neue Seiten legt ein geführter Assistent an, Übersetzungen ebenso. Und der Modulbaum heißt anders — das kostet die Redaktion in der ersten Woche mehr Zeit als jede neue Funktion. Rechnen Sie eine kurze Einweisung ein, eine Stunde am Testsystem, bevor umgeschaltet wird, nicht danach.
Für Betrieb und Administration bringt TYPO3 v14 Redis-Support für die Sessions des Install Tools — bisher waren die an lokale Dateien gebunden, was in Multi-Server- und Container-Setups regelmäßig störte; dazu Redis-Authentifizierung mit Benutzername und Passwort. Für Frontend- und Backend-Sessions gibt es Redis-Backends bereits seit v8. Neu sind außerdem ein Content-Type-Usage-Report über Sites hinweg und die Passwortvergabe fürs Install Tool per CLI. Die Systemanforderungen sind konkret: PHP ab 8.2.0 bis 8.5.99, Composer ab 2.1, mindestens 256 MB RAM, MariaDB ab 10.4.3, MySQL ab 8.0.17, PostgreSQL ab 10.0 oder SQLite ab 3.8.3. Ab v14.0 ist eine gültige composer.json für jede Extension Pflicht, ausdrücklich auch in Classic-Mode-Installationen.
Nach dem Upgrade beginnt der Teil, an dem die meisten Projekte scheitern: die Pflege. Der TYPO3-Wartungsplan sieht Maintenance-Releases etwa alle vier Wochen vor; für v14 sind Termine von 14.3.1 am 12.05.2026 bis 14.3.21 am 14.12.2027 veröffentlicht. Das sind planbar rund 13 Update-Fenster pro Jahr, dazu die unplanbaren Security-Releases. Wer das nicht einplant, steht in vier Jahren wieder vor derselben Frage. Wer die Fenster nicht selbst bedienen will, gibt sie an uns ab: 13 planbare Termine im Jahr plus die unplanbaren, geregelt in einem SLA.