Wofür wir TYPO3 einsetzen
TYPO3 kommt bei uns dann zum Zug, wenn eine Website organisatorisch komplizierter ist als technisch. Ein Konzern mit mehreren Marken, eine Verwaltung mit Fachbereichen, ein Verband mit Landesgruppen: Jede Einheit pflegt ihren Bereich, keine soll in fremden Bereichen etwas ändern können. Das Rechtesystem von TYPO3 ist dafür gebaut, mit Backend-Benutzergruppen, Seitenberechtigungen und getrennten Dateimounts. Bei einem WordPress-Setup endet dieselbe Anforderung regelmäßig in einer Sammlung von Rollen-Plugins.
Der zweite Klassiker ist Mehrsprachigkeit. Nicht „Übersetzung eingeschaltet“, sondern unterschiedliche Sprachbäume, Fallback-Regeln, länderspezifische Inhalte und Redaktionen, die in verschiedenen Sprachen arbeiten. Dazu kommen Auftritte mit vielen Seiten, die über Jahre gewachsen sind und in denen niemand mehr die vollständige Struktur im Kopf hat. TYPO3 hält solche Strukturen aus, solange Templates und Extensions sauber getrennt bleiben. Barrierefreiheit nach BITV und EN 301 549 planen wir dabei von Anfang an mit ein.
Wie wir mit TYPO3 arbeiten
Ein TYPO3-Projekt besteht bei uns aus Site-Konfiguration, TypoScript, Fluid-Templates und einer Handvoll eigener Extensions in PHP. Konfiguration liegt in Dateien und damit in der Versionsverwaltung, nicht im Backend verstreut. Installation und Extensions verwalten wir über Composer, Deployments laufen über eine Staging-Instanz. Content-Elemente bauen wir mit Content Blocks beziehungsweise eigenen Datenstrukturen statt mit generischen Baukasten-Elementen, damit Redakteure sehen, was sie pflegen, und nicht raten müssen.
Der wiederkehrende Projekttyp ist das Upgrade. Auftritte auf v8 bis v12 kommen zu uns, weil der Support ausgelaufen ist oder PHP auf dem Server aktualisiert werden muss. Wir prüfen zuerst die Extensions: Was ist im Core aufgegangen, was gibt es nur noch als Fremd-Extension ohne Pflege, was war ohnehin nie nötig. Danach wird in Schritten über die LTS-Versionen gezogen, nicht in einem Sprung auf v14.
Grenzen: wann TYPO3 zu viel ist
TYPO3 hat eine Lernkurve, im Backend wie in der Entwicklung. Für eine Unternehmenswebsite mit überschaubarer Seitenzahl, einer Sprache und einer Redakteurin, die gelegentlich eine Meldung einstellt, ist das System überdimensioniert. Da empfehlen wir WordPress mit eigenem Theme — schneller im Aufbau, im Alltag näher an dem, was solche Teams erwarten. Wir verkaufen niemandem ein Redaktionssystem, das er anschließend meidet, weil ihn das Backend abschreckt.
Die zweite Grenze ist der Shop. TYPO3 hat Shop-Extensions, aber ein Verkaufsprozess mit Preisregeln, Zahlarten, Retouren und ERP-Anbindung gehört in ein Shopsystem. Wenn ein TYPO3-Auftritt verkaufen soll, koppeln wir ihn mit Shopware 6, statt den Shop in das CMS zu zwingen. Umgekehrt gilt: Wer einen reinen Kampagnen-Onepager braucht, bekommt von uns keine TYPO3-Instanz mit Redaktionsworkflow, sondern etwas, das sich ohne Aufwand wieder abschalten lässt.