Zuerst: nichts löschen
Der verständliche Impuls ist, die auffälligen Dateien zu löschen und das Passwort zu ändern. Beides zerstört Spuren und schließt die Tür nicht. Die Hintertür liegt fast immer woanders als die sichtbare Schadsoftware: in einer zweiten, unauffällig benannten Datei, in einer geänderten Systemdatei, in einem zusätzlichen Administratorkonto, in einem Cronjob oder in einer Erweiterung, die sich selbst wieder herstellt.
Deshalb gilt zuerst: Seite in den Wartungsmodus, Dateien und Datenbank als Kopie sichern, Zugänge sperren, Protokolle sichern. Erst dann wird analysiert. Wer in dieser Reihenfolge arbeitet, kann später sagen, was passiert ist — und muss nicht in vier Wochen von vorn anfangen, weil die Hintertür noch da war.
Wie wir den Weg hinein finden
Wir lesen die Zugriffsprotokolle rückwärts: Upload-Pfade, Login-Masken, Installationswerkzeuge, ungewöhnliche Anfragen kurz vor der ersten Veränderung. Wir vergleichen die Dateien mit den Originalen von Core und Erweiterungen und sehen so, was geändert oder hinzugefügt wurde. Wir prüfen die Datenbank auf fremde Konten und eingeschleuste Inhalte, die installierten Erweiterungen auf bekannte Lücken und die Frage, wo Zugangsdaten lagen, die nicht dort liegen sollten.
Am Ende steht ein Bild: wann es passiert ist, über welchen Weg, und was der Angreifer getan hat. Ohne dieses Bild bleibt jede Wiederherstellung Glückssache — mit ihm wissen wir, welcher Stand sauber ist und welche Lücke zu schließen ist.
Sauber wiederherstellen statt aufräumen
Der sauberste Weg ist ein Backup von vor dem Einbruch, ergänzt um alle Updates, die seitdem erschienen sind. Bei einem Shop gleichen wir die Daten ab, die seit dem Backup entstanden sind — Bestellungen, Kundenkonten — und übernehmen sie geprüft. Gibt es kein verlässliches Backup, setzen wir Core und Erweiterungen aus den Originalquellen neu auf und übernehmen nur Inhalte und Uploads, nachdem wir sie geprüft haben.
Danach werden alle Zugangsdaten getauscht, ohne Ausnahme: Administratoren, Datenbank, FTP und SSH, Schnittstellen-Schlüssel, Zahlungsanbieter, Mailversand. Ein Passwort, das der Angreifer kennt, macht die beste Wiederherstellung wertlos.
Danach: Lücke schließen und Vertrauen zurückholen
Die eigentliche Ursache — eine veraltete Erweiterung, ein offenes Installationswerkzeug, ein Formular ohne Prüfung, ein Server auf einer PHP-Version ohne Updates — wird geschlossen, und das System gehärtet: Updates, zweiter Faktor für Verwaltungszugänge, Rechte nach Aufgabe, auf Wunsch eine vorgelagerte Firewall mit Cloudflare.
Dann holen wir das Vertrauen zurück: In der Google Search Console prüfen wir die Sicherheitsprobleme und beantragen die Überprüfung, damit die Warnung verschwindet. Steht die Domain auf Sperrlisten für Mailversand oder Browser-Warnungen, stoßen wir die Entfernung an. Waren personenbezogene Daten erreichbar, gilt die Meldepflicht nach Artikel 33 DSGVO binnen 72 Stunden an die Aufsichtsbehörde — wir liefern die technischen Fakten dafür, die rechtliche Bewertung bleibt bei Ihnen oder Ihrem Datenschutzbeauftragten.
Was es kostet und was wir nicht versprechen
Soforthilfe rechnen wir nach Aufwand ab, nach einem kurzen Erstgespräch, in dem wir die Lage einordnen. Eine Zeit- oder Preiszusage ohne Blick in das System geben wir nicht — wer das tut, rät. Was wir zusagen: die Reihenfolge, die Transparenz über jeden Schritt und einen kurzen Bericht am Ende, der festhält, was passiert ist und was getan wurde.
Und wir versprechen keine hundertprozentige Sicherheit. Was wir anbieten, ist der Zustand, in dem Massenangriffe ins Leere laufen und ein Vorfall ein Vorfall bleibt — mit einer laufenden Betreuung, die Updates, Backups und Monitoring übernimmt, damit Sie diese Seite nicht noch einmal brauchen.